Elisabeth von Thüringen
Vorspiel - Eine Frau
Der Chor stellt das Thema des Stückes vor: eine Frau, die einen anderen, einen einzigartigen, ganz neuen Weg sucht. Elisabeth, die mit ihrem Glauben ernst macht, diesem schwierigen, die Welt mit anderen Augen sieht und einen ungewöhnlichen, sehr tiefen Sprung wagt; die die Welt mit neuen Augen sieht, nämlich von unten, mit den Augen der Armen, und allen den einzigartigen, ganz neuen Weg vorlebt, den sie gefunden hat.
Das verkaufte Kind
Der Narr und der Erzähler berichten die Vorgeschichte der Königstochter, die mit vier Jahren von ihrem eitlen Vater, dem ungarischen König Andreas II. „verkauft“ wurde - verlobt mit Prinz Ludwig von Thüringen, der einmal den Hof des Landgrafen erben würde.
Der Sängerwettstreit auf der Wartburg verdeutlicht eine Mentalität und einen Musikgeschmack, die sich bis heute nicht wesentlich geändert haben: Weder Frömmelei (Jesus liebt dich ...) noch revolutionäre, kritische Töne kommen an (Die Pfaffen in unserm Lande sind zu reich, oh welche Schande). Statt dessen wird das Lied eine neue Welle, in dem die Lebenseinstellung des Adels auf den Punkt gebracht wird: Ich steh auf mich, ich lieb nur mich.
Elisabeth lernt das Leben bei Hof kennen - seinen Luxus (Reiten, Spiele, Tanz, Schlösser und Schätze), aber auch die Regeln und die Waffen der Krieger.
Als sie andeutet, dass ihr diese Dinge nicht viel bedeuten und dass ihr Rücksicht, Zeit und Barmherzigkeit wichtiger sind als Einfluss, Geld, Reichtum und Macht, wird sie für verrückt erklärt.
Die liebende Frau
ist ungewöhnlich für eine Ehe an einem Fürstenhof dieser Zeit. Die dreizehnjährige Elisabeth liebt ihnen Mann jedoch wirklich. Sie weiß, was es heißt, sich zu lieben. Wie auf Wolken zu schweben, von der Erde abzuheben.
In ihre Liebe schließt sie jedoch auch die Armen ein: die einfachen, kleinen Bauer vom Land, auf deren Kosten der Luxus des Hofes finanziert wird.
Gegen den Willen des Hofstaates (Was soll denn das? Welch ein Skandal!) verlässt sie immer wieder die Wartburg, um Arme zu kleiden und Hungrige zu speisen. Am Fuße der Burg baut sie ein kleines Krankenhaus.
Nur Ludwig, ihr Mann, unterstützt sie dabei: Lasst sie doch gewähren. Habt ihr was dagegen, dass sie viel Gutes tut?
In einem Brief bittet Kaiser Friedrich II. darum, dass Ludwig ihm auf dem Kreuzzug ins Heilige Land folgt. Elisabeth sieht den Sinn dieses Krieges nicht ein (Wem soll dieser Kreuzzug dienen, wenn nicht der reinen Macht? Was wird nur Gott dazu sagen, wenn ihr sinnlos Blut vergießt?), und als Ludwig sie dennoch verlässt (Wenn Papst und Kaiser rufen, dann bleibt mir keine Wahl), beschließt sie, ihrem Leben eine ganz neue Richtung zu geben: Du gibst auf ein Stück von dir und bekommst ein Ziel dafür.
Die Einsteigerin
ergibt sich dem Willen Gottes, obwohl sie ihn nicht versteht und ihr der Schmerz über Ludwigs frühen Tod den Atem nimmt und das Herz zerreißt.
Ihr Onkel, der Erzbischof von Bamberg, und vor allem die Clique der Macht am Hof bedrängen sie recht bald wieder zu heiraten, zumal der Kaiser höchstpersönlich ein Auge auf Elisabeth geworfen hat. Diese Chance (mit dem Kaiser kommt die Macht) schlägt Elisabeth aus. Sie lässt sich nicht verschachern und macht die Heuchelei, den großen Fetenkult ohne ein Gefühl von Schuld nicht mehr mit.
Bei Hof wird sie für verrückt, dumm und undankbar erklärt; die Vorwürfe reichen bis hin zur Hexerei.
Das Gespräch mit dem Mann mit einem Mantel, einem Gesandten des Franz von Assisi, bringt Elisabeth dazu, den Luxus auf der Burg in dem Schneckenhaus der Bosheit, Habgier und Selbstsucht endgültig aufzugeben. Sie steigt statt dessen ein in das Leben und aus aus dem Tod.
Die Dienerin der Armen
verlässt mit ihren Kindern die Wartburg und schließt sich den Franziskanern an. Ihr Beichtvater, Konrad von Marburg, muss sie jedoch davon überzeugen, dass sie bei einem Leben, wie sie es sich vorstellt, nicht für die Kinder sorgen kann. Schweren Herzens lässt sie sich überreden, die Kinder in ein Heim zu geben. Sie verlässt Eisenach und baut mit ihrem Witwengeld in Marburg an der Lahn ein Krankenhaus für die Armen. Dabei kämpft sie nicht nur gegen die Lepra, sondern gegen den doppelten Aussatz: die Krankheit des Körpers und die Krankheit der Gesellschaft, die Minderheiten ins Abseits stellt.
Der Narr zeigt in seinem Spiegel den heutigen Aussatz, der ins Abseits führt und die großen und kleinen Sünder.
In der Heiligsprechung Elisabeths durch Papst Gregor IX sieht er ein Zeichen dafür, dass der heilige Geist unsere Gottes ... manchmal, ab und zu, gelegentlich auch bei der Kurie Erfolg haben kann.
Im Nachspiel ruft der Chor dazu auf, mit wachen Sinnen durch die Straßen zu gehen, mit flinken Fingern an der Armut zu drehen und starken Kräften Friedenshäuser zu bauen, denn: Propheten sind wir alle, auch du und ich.
So kann sich Elisabeths Vision erfüllen: die von einer Kirche, die zur Armut mahnt, einer Gemeinde, die mit den Armen lebt und die Vision von einem neuen Staatsmann, der endlich Frieden wagt und die Waffen zum Teufel jagt.




